Kirchengemeinde Stapellage Müssen
Kirche in
Stapelage Müssen Billinghausen
Hörste Wissentrup

Einschränkungen aufgrund von COVID-19

Was bedeutet die Corona-Krise eigentlich für die Kirche?

Neulich wurde mir in einem Gespräch die Frage vorgelegt: „Holger, sag mal, was bedeutet die Corona-Krise eigentlich für die Kirche?“ Für einen kurzen Augenblick hielt ich inne. Ich war zunächst versucht, alles schön zu färben und darüber reden zu wollen, wie kreativ die Kirche doch jetzt ist, wenn sie Online-Gottesdienste anbietet und in den Medien stärker präsent ist. Doch das konnte ich nicht verantworten. Plötzlich überkam mich eine Traurigkeit, die noch heute anhält. Denn ich sah das schöne, bunte Leben in der Kirche, das nun einfach nicht mehr stattfindet, weil wir uns nicht mehr versammeln. Ein Großteil der kirchlichen Angebote, die Senioren- und Seniorinnenarbeit, die vielen Veranstaltungen und Feste, Besuche sowie Kinder- und Jugendarbeit finden einfach nicht statt. Es gibt überhaupt keinen kirchlichen Alltag mehr. Man erlebt die Gemeinschaft in der Kirche nicht mehr als stärkende Gemeinschaft, weil wir nicht mehr aufeinandertreffen. Das ist so, wie wenn man dem kirchlichen Leben die Maske aufsetzen würde! Das, was die Mund-Nasen-Schutzmaske mit uns macht, das richtet Corona mit der Kirche an, um dieses Bild zu gebrauchen. Die Maske beraubt uns des größten Teils der Mimik, nur die Augen und die Stirn (wenn sie runzelt) können sprechen und sich ausdrücken. Wir sprechen trotzdem und kommunizieren trotzdem, jedoch unter dem Eindruck einer massiven, erheblichen Störung. Man legt uns etwas auf den Mund, das unser Sprechen hemmt. Spaß macht das alles nicht. Und so behindert Corona das kirchliche Leben (und auch das des CVJM!) gewaltig. Ich möchte sagen: Corona trifft unseren Lebensnerv auf das empfindlichste. Der Fernsehgottesdienst, so schön und so aufwendig er ist – er ist nur ein Behelf. Das direkte menschliche Leben im Kontakt miteinander kann durch nichts ersetzt werden. Gemeinsam glauben heißt gemeinsam beten und singen, das Wort hören, Menschen wiedersehen und nachfragen, wie es einem geht. „Wie war der Urlaub, wie geht es den Kindern, was macht die Mutter?“ Eines allerdings wird mir nun klar: Die Feste der Kirche, die Konzerte, der sommerliche Ausflug, die Chorproben und vieles, das mir normal erschien, war gar nicht normal, sondern es war schlichtweg ein Wunder! Es war das greifbare Schöne, ja sogar ein großes Stückchen Glück. Corona lehrt mich, das gewesene Wunder auch als Wunder zu begreifen. In den düstersten Zeiten Israels hat man sich immer wieder die Geschichten von der Errettung durch Gott erzählt. Man hat sich all dessen erinnert, was Gott getan hat, was er uns als Wunder erfahren ließ. Darum, so meine ich: Lasst uns den Weg der Erinnerung gehen!

Wenn wir das tun, dann öffnen sich unsere inneren Augen und Ohren. Wir hören das ausgelassene Spiel-Geschrei der Kinder auf der Kinderbibelwoche, wir sitzen plötzlich in der vollen Kirche Stapelage beim Weihnachtskonzert und lassen uns die Musik zu Herzen gehen, wir wandern den Weg von Müssen über Billinghausen ins Gemeindehaus und laben uns am Buffet, treffen ganz viele Mitarbeitende, wir feiern das Leben, weil Gott es so gut meint, wir blättern alte Fotoalben durch oder betrachten auf dem Bildschirm bleibende Eindrücke aus dem reichhaltigen Gemeindeleben – und wenn wir nichts Digitales oder Material auf Papier haben, dann lasst uns die inneren Bilder anschauen, die langsam in der Stille hochsteigen! Der Klagepsalm 13 stimmt am Ende ein vorausahnendes Loblied an: „Ich freue mich Gott, dass Du so gerne hilfst!“. Liebe Leserinnen und Leser, die Corona-Krise setzt uns hart zu, sie verstärkt sogar Krankheiten. Niemand steht über ihr. Doch ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass Gott Menschen schickt, die mit ihren enormen Fähigkeiten bessere Zeiten für uns alle heraufziehen lassen!

Ihr Holger Teßnow

Kirche in Coronazeiten
© Ev.-ref. Kirchengemeinde Stapelage-Müssen
Vielen Dank an unsere Sponsoren: