Kirchengemeinde Stapellage Müssen
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Hörste Wissentrup

Andacht September - November 2020

Soviel du brauchst... Brille, Latschen, Matte: Gandhi soll kaum mehr als das an persönlichem Besitz hinterlassen haben. Trotzdem war er ganz und gar unbescheiden: In Sachen Freiheit und Würde der Menschen hat er keine Kompromisse gemacht.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Soviel du brauchst... Brille, Latschen, Matte: Gandhi soll kaum mehr als das an persönlichem Besitz hinterlassen haben. Trotzdem war er ganz und gar unbescheiden: In Sachen Freiheit und Würde der Menschen hat er keine Kompromisse gemacht.

„Mein Auto, mein Haus, mein Boot.“ Diese frühere Werbung der Sparkassen ist zum Klassiker in der Branche geworden. Sehr simpel, und darum so erfolgreich. Für Konsumkritiker spiegelt sich hierin die kapitalistische Trinität. Fast so einprägsam wie Vater, Sohn und Heiliger Geist, sagen sie.

Dass Besitz nicht glücklich macht, ist eine banale Einsicht. Aber sie ist wahr. Haben und Sein sind zwei verschiedene Lebensformen. Auf lange Sicht, so der Psychoanalytiker Erich Fromm, führen Konsumstreben und Gewinnsucht in eine innere Leere. Und immer öfter auch auf die Titelseiten und in die Talkshows. Andererseits ermöglicht Geld auch Freiheit. Ich liebe es doch, ein gutes Buch zu kaufen, auch wenn das aktuelle noch nicht ausgelesen ist. Der Urlaub in Schweden, wie ich mich darauf freue! Wer will schon mit Lebensmittelgutscheinen sein Leben fristen müssen? Wohl niemand freiwillig. Darum sollte in unserem reichen Land eigentlich niemand dazu gezwungen sein.

Wie viel braucht der Mensch? Diese Frage wurde 2013 auf dem 34. Evangelischen Kirchentag in Hamburg diskutiert. Die Losung des Kirchentages war damals offen formuliert: „Soviel du brauchst“. So hieß es in Anspielung auf eine Erfahrung der Israeliten. Auf dem Weg aus der ägyptischen Gefangenschaft in die Freiheit konnte jeder von dem göttlichen Himmelsbrot, dem Manna, so viel sammeln, wie er brauchte. Niemand musste hungern. Aber horten nützte auch nichts, denn das Brot verdarb nach einem Tag. Es hieß eben nicht: Nimm, soviel du willst, oder: Nimm alles, was du tragen kannst. Es hieß: „Soviel du brauchst“. Dass das unterschiedlich ist von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie, das war im alten Israel nicht anders als heute bei uns. Aber im weiteren Verlauf der Geschichte fing all das, was gehortet wurde, an zu stinken. Eine sinnbildliche Beschreibung des Überflusses, in dem wir heute leben. Der Zuspruch Gottes damals wie heute ist zugleich auch sein Anspruch: Ich sorge für dich, Mensch. Aber sieh
du zu, nur das zu nehmen, was du wirklich brauchst!

 

Im Oktober feiern wir wieder Erntedankfest. Auch wenn so manchem in diesem Jahr wegen Corona das Danken schwerfällt. Ich wünsche uns, dass wir dabei trotz allem erkennen, wie uns Gottes himmliches „Manna“ beschenkt. Dass wir erkennen, was uns inmitten unserer Sorgen und Beschwernisse alles Gutes getan wird. Dass wir danken und staunen über Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit, die uns zusagt: „Soviel du brauchst“.

Brille, Matte, Latschen: Wir brauchen mehr zum Leben. Wir sind keine Asketen. Aber, wenn wir es recht bedenken, brauchen wir erstaunlich wenig, wenn nur unser Herz reichlich gefüllt ist.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Herbst! Kommen Sie gut durch diese ungewöhnlichen Zeiten und bleiben Sie gesund!

Ihr Ulrich Wilkens

Andacht 44
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